»Voll Hochsterilisiert« die Kolumne der torfabrik Alois S.
„Non, je ne regrette rien“
31. Oktober 1974, wir erinnern uns, es ist kurz nach 22 Uhr. Über den Fernsehschirm flimmert die erste deutsche Talkshow "Je schöner der Abend" mit Gastgeber Dietmar Schönherr. Nach ihren gescheiterten Ehen mit Alain Delon und Harry Meyen plaudert Romy Schneider zum ersten Mal über ihr kompliziertes Verhältnis zu Männern und zum deutschen Film. Neben ihr sitzt der junge französische Schauspielstar Didier de Montpellier: hautenge Jeans, offenes Hemd, dunkle Sonnenbrille und schwarze Lederjacke. Er sieht verdammt gut aus. Mit dem Charme eines Filou erzählt er von seinem aufregenden Leben, einem Leben, das er bislang als Stuntman, Extrembergsteiger, Reiseberichterstatter, Kriegsjournalist, Geheimagent, Bankräuber, Rockstar und Playboy geführt hatte.
Wie der rangeht! Romy Schneider ist beeindruckt. Ohne zu zögern, übernimmt sie die Rolle der Verführerin. An der Seite de Montpelliers kann sie die Frau des Machos, die Schlampe des Zuhälters spielen, kurz gesagt, eine Rolle, die sie perfekt beherrscht. Als de Montpellier gerade wieder einen besonders lässigen Spruch klopft, greift sie kurz nach rechts, berührt seinen Ellbogen und sagt: "Sie gefallen mir, sie gefallen mir sehr." Ein Stöhnen geht durch die deutsche Fernsehnation. Der Skandal ist perfekt. Am nächsten Morgen wird die Schneider zusammen mit de Montpellier bei einem gemeinsamen Frühstück im Münchener Hotel Vierjahreszeiten gesehen. Was in jener Nacht geschehen ist, darüber schweigt der inzwischen in Berlin lebende Kinostar bis heute eisern. Auf seine Liaison mit Romy befragt, antwortet er stets mit den Worten: „Non, je ne regrette rien, chérie.“ Zuletzt fiel dieser Satz vor wenigen Wochen bei einem Interview im Kreuzberger Café „Bateau Ivre“.
Seit sich der Leinwandstar („La vie et la rose“) in den frühen achtziger
Jahren aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat, macht er nur noch durch Skandale auf sich aufmerksam. Vor allem seine Sex- und Drogeneskapaden sind inzwischen berüchtigt. Erst vor wenigen Tagen wurde de Montpellier einmal mehr seinem fragwürdigen Ruf als Infant Terrible gerecht, als er in der Berliner Szenekneipe Alois S. am frühen Abend bereits schwer alkoholisiert die Puppen tanzen ließ. Unser Foto, ein Schnappschuss des renommierten Society-Fotografen Uberto Cannelloni, der zufällig zugegen war, zeigt die Kinolegende völlig verwahrlost und verkommen, Arm in Arm mit einer Minderjährigen. Freunde wie der ehemalige italienische Radprofi und Tour-de-France-Sieger Rainaldo Klemantini (rechts im Bild) machen sich mittlerweile ernsthafte Sorgen um de Montpelliers Gesundheitszustand. „Er sollte endlich aufhören mit diesen jungen Dingern rumzumachen und allmählich versuchen, ein seriöser, älterer Herr zu werden“, meinte Klemantini zu unserem Reporter Siggi Sigginger. De Montpellier selbst konnte an diesem Abend nicht mehr allzu viel dazu sagen. Erst als er am nächsten Morgen von Klemantinis Aussage in Kenntnis gesetzt wurde, konterte er mit den Worten: „Seriösör ältörör `err? Non merci chérie, nischt mit mir.“
(dides)

Verzapft oft nicht nur Bier: Alois-Kolumnist dides alias Siggi Sigginger.
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